Aufbruch zu Neuem

    Zentrale Begriffe in der Diskussion müssen tabu sein: „Ja, aber“ oder „Geht nicht“ blockieren Ideen für die Zukunft. Lena Dirksmeier will als Geschäftsführerin der Caritas-Konferenzen Deutschland (CKD) in der Diözese Münster keine „Trauerbegleitung“ für dahinschwindende Pfarrcaritasgruppen leisten, sondern den „Aufbruch zu Neuem“ gestalten. Sicher werde es auch 2025 die ehrenamtliche Caritas geben – „aber nicht unbedingt in gewohnten Strukturen“.

    Natürlich sei es nicht leicht, lang gehegte Traditionen aufzugeben. Eine klassische Aufgabe sei zum Beispiel der Besuchsdienst im Krankenhaus. Bei immer kürzerer Verweildauer und immer weniger möglicher Unterstützung durch Angehörige sei aber zu überlegen, ob nicht eine Unterstützung zuhause nach der Entlassung notwendiger sei.
    Vor allem aber müsse sich das Bewusstsein ändern. Ein Ehrenamt in der Caritas vor Ort müsse nicht „lebenslänglich“ bedeuten und immer an der gleichen Stelle. „Wir müssen uns auch erlauben, die Arbeit zu beenden“, sagt Dirksmeier. Einfach mal ein halbes Jahr im Kleiderladen mitarbeiten, dann Pause machen und später, wenn es passt, in die Begleitung geflüchteter Menschen einsteigen.

    Ungeliebt seien insbesondere Vorstandsämter und die damit verbundenen administrativen Aufgaben. „Es gibt Menschen, die sich durchaus engagieren wollen, aber nichts mit Vorstandsarbeit zu tun haben wollen“, so Dirksmeier. Viele Gruppen hätten entsprechend Schwierigkeiten, Vorsitzende, Kassiererinnen oder Schriftführerinnen zu finden. Auch hier brauche es neue Formen, die manche mit Sprecherteams schon gefunden hätten. Es stelle sich die Frage, ob für die Arbeit tatsächlich immer diese Vereinsstrukturen notwendig seien und es nicht andere Möglichkeiten der Koordination gebe.

    Vor einigen Jahren haben sich die Caritas-Konferenzen ein neues Erscheinungsbild gegeben mit einem Untertitel: „Netzwerk der Ehrenamtlichen“. Das muss gelebt werden, betont Dirksmeier. An Aufgaben mangele es dafür nicht: „Die Themen liegen auf der Straße“. Chance der CKD sei dabei, „dass wir auf das DU ausgerichtet sind und nicht um uns selbst kümmern müssen“, sagt die Geschäftsführerin: „Wir fragen die Menschen, was braucht ihr?“

    Den Ehrenamtlichen selbst müsse dabei die Frage gestellt werden „Woran hast Du Lust?“ oder umgekehrt „Was hindert Dich aktiv zu werden?“ Ein neuer Blick auf das klassische Ehrenamt ist gefragt, den youngcaritas in jugendlich zugespitzter Form lebt. Jugendliche und junge Erwachsene bilden eine lockere Gemeinschaft und finden sich immer wieder neu zu kreativen Aktionen zusammen. Das wäre für die CKD vielleicht nicht passend, aber kann Hinweise auf eine sinnvolle Entwicklung für die Zukunft geben.