Bessere Karten für die Vermittlung

    Auch das exakte Feilen lernen gehört zur Ausbildung im Rahmen der Bildungsrahmenpläne.

    Was passiert eigentlich so in der „Teppichetage“ und warum sollte man darauf hören, was dort beschlossen und verkündet wird? Wichtige Fragen, die Marcus Westrup seinen Schülern in kleinen Schritten, mit lebenspraktischen Beispielen und Humor erklärt. Was jeder Berufsschüler sich im Schnelldurchgang aneignen muss, erfordert im Berufsbildungsbereich der Caritas Wohn- und Werkstätten Niederrhein (CWWN) etwas mehr Zeit und Geduld. Auch wenn es keine Ausbildung ist sondern eine Qualifizierung auf einfacherem Niveau, ist damit ein wichtiger Schritt zur geforderten Inklusion getan. Die Beschäftigen haben deutlich bessere Karten, falls eine Vermittlung auf einen betriebsintegrierten Arbeitsplatz ansteht. Und sie sind für höherwertige Tätigkeiten in der Werkstatt gerüstet.

    Für eine ganze Palette von Ausbildungsberufen hat sich Yvonne Evers die Bildungsrahmenpläne aus der freien Wirtschaft vorgenommen und sie mit ihren Kollegen in der Werkstatt an die Bedingungen für Menschen mit Behinderungen angepasst. Die jungen Erwachsenen können sich qualifizieren zum Buchbinder oder Gärtner, sich in der Hauswirtschaft weiterbilden oder zum Metallbauer (Konstruktionstechnik) mehr lernen. Die Inhalte sind gegenüber den Ausbildungsplänen auf dem ersten Arbeitsmarkt reduziert. Für die einzelnen Schritte braucht es teilweise Abbildungen und Piktogramme statt textlicher Beschreibungen.

    Natürlich fehlt nicht der praktische Teil und in der Ausbildung zum Tischler das klassische Bild des Feilens. Schließlich muss gelernt werden, in welchem Winkel sie angesetzt und mit wieviel Druck eingesetzt werden muss. Das zeigt Marcus Westrup nach dem theoretischen Teil in der Holztechnik in einer anderen Ecke des großen Werkraums. Die CWWN sind bundesweit Vorreiter im Auftrag der Bundesarbeitsgemeinschaft Werkstätten für Menschen mit Behinderung (BAG WfBM). In der Region haben sich dazu fünf Werkstätten zusammengetan im Netzwerk Berufliche Inklusion Niederrhein (BIN). Der Aufwand ist enorm und Yvonne Evers deswegen froh, „dass wir das Rad nicht immer neu erfinden müssen“. Über 100 Module sind in den Plänen hinterlegt, die durchaus mal über 70 Seiten umfassen. Aber manches wie der organisatorische Aufbau einer Firma oder Regeln zur Arbeitssicherheit können vielfach verwandt werden. Acht Bildungsrahmenpläne liegen inzwischen vor, an der Qualifizierung zum Koch wird gerade gearbeitet. Es sind Arbeitsfelder, die auch in den Behindertenwerkstätten angeboten werden. Das Bild vom klassischen Zählen und Verpacken von Schrauben passt da schon lange nicht mehr. Komplexe Aufträge werden abgewickelt und die Beschäftigten entsprechend ihren Möglichkeiten eingesetzt und gefördert.