Weit mehr ist möglich – aber sinnvoll?

    Technisch ist noch viel mehr möglich. Selbst den möglichen Rückfall eines trockenen Alkoholikers könnten Algorithmen aus Meldungen von Sensoren im Zusammenspiel mit biographischen Daten errechnen. Aber der Fortschritt beschränkt sich in Wohnen in Pastors Garten erst einmal auf Sensormatten in den Betten und Türkontakte. Und die gibt es auch nur in einigen Zimmern der vor fünf Jahren neu erbauten Senioreneinrichtung im münsterschen Stadtteil Roxel. Trotzdem befindet sich das Stift Tilbeck als Träger damit noch bundesweit an der Spitze des Technikeinsatzes in Altenhilfe-Einrichtungen.

    Aber Technik um jeden Preis will Hausleiter Thorsten Kloster nicht und schon gar keine Rundum-Überwachung. Auch wenn dafür alles, was dafür notwendig wäre, schon entwickelt und auf dem Markt ist. Dabei ist er für Fortschritt durchaus offen. Roboter, sagt Kloster, „werden nie den Menschen in der Pflege ersetzen“. Sie als Unterstützung der Pflegemitarbeiter einzusetzen, könne er sich dagegen gut vorstellen, zum Beispiel bei Transfers. Vielleicht lasse sich ein durch Schlaganfall körperlich eingeschränkter Mensch, der geistig noch voll fit sei, auch lieber durch eine Maschine beim Duschen unterstützen als durch einen fremden Menschen.

    Heinz Höhne und Marcus Hopp sind begeisterte Technik-Tüftler und haben das System in Wohnen in Pastors Garten installiert. Sie probieren hier aus und demonstrieren, was der Integrationsbetrieb Varia des Stift Tilbeck anbieten könnte, um pflegebedürftigen Menschen zuhause länger ein selbständiges Wohnen zu ermöglichen oder eben die Pflegemitarbeiter im Altenheim zu unterstützen. Aber auch sie sind überzeugt, dass „Technik nicht die Dienstleistung ersetzen soll“. Wichtig sei es, sich hier auch mit ethischen Leitbildern auseinanderzusetzen.

    Es gibt schon Komplettsysteme auf dem Markt, erläutert Hopp. Aber bisher arbeite nur die Varia mit Einzelkomponenten. Das Prinzip ist schnell erklärt. Im ganzen Haus ist ein Funksystem installiert. Darauf können einzelne Sensoren aufgeschaltet werden, individuell darauf abgestimmt, was der einzelne Bewohner benötigt. Könnte er aus dem Bett fallen, meldet dies eben die Sensormatte in wenigen Sekunden an den Nachtdienst. Zwar werden auch Niedrigbetten eingesetzt, um Sturzfolgen zu vermeiden, aber der alte Mensch könnte auskühlen, wenn es nicht schnell bemerkt wird.

    Ebenso hilfreich ist der Türkontakt bei dementiell verwirrten Bewohnern, wenn sie sich nachts auf den Weg machen. Den Nachtdienst entlastet dies auf seinen regelmäßigen Kontrollgängen. Das System ist auch nur von 21 bis 6 Uhr scharf geschaltet.

    In Privathaushalten wird bei Bedarf mehr Technik eingesetzt, ein Herdsensor zum Beispiel, der bemerkt, wenn eine Herdplatte versehentlich nicht ausgeschaltet wird. Oder ein Bewegungssensor, der Alarm schlägt, wenn es zu bestimmten Zeiten und über eine bestimmte Zeit keine Bewegung gibt. Was notwendig und sinnvoll ist, „muss klar mit den Bewohnern und Angehörigen besprochen werden,“ sagt Marcus Hopp.

    Auch wenn nur die absolut notwendige Technik eingesetzt wird, kann sie helfen, Fixierungen zu vermeiden. In Pastors Garten wird nach dem Prinzip der „Nullfixierung“ gearbeitet. Damit ist allerdings auch klar, sagt Thorsten Kloster, „dass das normale Lebensrisiko Sturz bleibt“.

    Um dies weiter zu verringern, tüfteln Höhe und Hopp derzeit an einer Rollstuhlmatte. Weitere Ideen gibt es, da ist auf dem Pflegemarkt noch mehr zu erwarten. Aber sie wollen nicht Technik um der Technik willen einsetzen.